Montag, 4. August 2014

J. Meierhöfer 10 - die letzten Bilder

Auf in die vorerst letzte Runde rund um die Bilder von J. Meierhöfer.

Heute hat man ja meist kein Stativ zur Hand um einen Fotoapparat aufzustellen sondern eher ein Smartphone am ausgestreckten Arm :-)
Und so wurde aus dem Selbstporträt im Laufe der Zeit halt ein Selfie.
J. Meierhöfer hat durchaus einige Selbstporträts gemacht und auch sonst oft darauf geachtet mit auf den eigenen (Gruppen-)Bildern zu sein.

Zwei dieser Selbstporträts fanden sich auch in den letzten Kartons der Sammlung.
 
 
 J. Meierhöfer vor Bergpanorama - Großer Waxenstein vom Eibsee aus. -  Um 1920-1930

Das zweite ist ein Bild vom Eibsee (unterhalb der Zugspitze) mit Blick auf den Großen Waxenstein. Im Hintergrund müsste auch das Eibsee Hotel zu sehen sein, welches am Tag des Fotos schon eine Zeitlang stand. Was bei der Zugspitzbahn und auch dem "Bahnhof" Eibsee vermutlich noch nicht der Fall war.


J. Meierhöfer mit Seilschaft - vermutlich Mittlere Partenkirchner Dreitorspitze - um 1920-1930

Hier dann noch ein Gruppenbild, wahrscheinlich von der westlichen Partenkirchner Dreitorspitze aus Richtung Zugspitzplatt.
Der Kleidung zwei der Frauen nach sind wir vermutlich schon weit in den 1930ern angekommen, denn weiße Bluse und schwarzes Halstuch mit Lederknoten waren wohl die Standardbekleidung des Bund Deutscher Mädel. 

Und so waren die Zeiten mit den Mädchen der Deutschen Turnerschaft...


Meierhöfer mit einer Gruppe Mächen der Deutschen Turnerschaft Ausschnitt - Meierhöfer mit einer Gruppe Mächen der Deutschen Turnerschaft


... wohl vorbei und Deutschland bereits mehr oder weniger auf den Weg in den zweiten Weltkrieg.
Ob Herr Meierhöfer weiter fotografiert hat oder wie seine Geschichte weiter ging entzieht sich meiner Kenntnis. Die Bilder in meinem Besitz enden in dieser Zeit und keine Platte zeigt Bilder aus der NS-Zeit oder Soldaten im zweiten Weltkrieg.

Dieser Teil der Geschichte und die damals entstandenen Bilder sind -so meine Beobachtung in den letzen Monaten- offenbar beliebte Sammlerobjekte, die auf dem Flohmarkt und bei ebay hohe Preise erzielen. Entsprechend werden sie vermutlich auch gezielt aus Sammlungen entfernt und dann einzeln angeboten.

Ich bleibe da lieber bei den Alltagssituationen und den Geschichten die sich nur noch anhand einer einzelnen Glasplatte erahnen lassen.
So wie eben auch die der letzten beiden Bilder...


Trauernde Frau vor  der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Obergrainau - vor 1926

Die in schwarz gekleidete Frau steht vor der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Obergrainau, die damals noch einen anderen Kirchturm hatte als heute. Dieses Detail weist auch auf eine Entstehung des Fotos vor 1926 hin. Denn im Jahr 1926/27 erhielt der Kirchturm bei einem Umbau seine heutige Zwiebelform. --> www.erzbistum-muenchen.de...
Edit (06/2017): Das Erzbistum hat leider seinen Seitenaufbau geändert. Die Geschichte u.A. des Umbaus hier --> https://pv-zugspitze.de/st-johannes-grainau....

Angeblich das meist fotografierte Motiv in Graiau. Die Hanglage und die Waxenstein-Gruppe im Hintergrund geben aber in der Tat einen hübschen Rahmen für die Kirche.

Grainau 1.JPG
Quelle: „Grainau 1“ von Octagon - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons.

Zu guter Letzt die "Erntemannschaft".


Gruppe von Menschen vor einem garmischer Heustadl - uim 1920-1930

Wer weiß was J. Meierhöfer damals veranlasst hat diese Fotos zu machen.
Kannte er die Frau vor der Kirche? Standen die Bauern zufällig am Weg oder waren es die Vermieter des Fremdenzimmers welches er in den Ferien bewohnt hat? Es wird sich sicher nicht mehr herausfinden lassen, aber die Fotos wurden gemacht und Herr Meierhöfer wird sich etwas dabei gedacht haben. Denn der Aufwand um ein Foto zu mahen war sicher für ihn ungleich höher als für uns im Jahr 2014.

Trotzdem hat es insgesamt nun doch mehr als 12 Monate gedauert, bis seine Bilder digitalisiert waren und zusammen mit ihren Geschichten den Weg ins Netz gefunden haben.
Neben einem Leuchtpult habe ich ein gebrauchtes Reprostativ erstanden um die Glasnegative ordentlich abfotografieren zu können.
Und nach anfänglichen Schwierigkeiten geht heute auch die digitale Nachbearbeitung der Glasnegativen etwas geschmeidiger von der Hand :-)
Die Recherche anhand von Bergrücken, Beschriftungen von Gegenständen oder anderer Details lässt sich meist recht bequem von der Couch aus regeln, kostet aber natürlich auch jede Menge Zeit. Und beim Schreiben fällt einem dann natürlich auch noch das ein oder andere Detail ein, dass unbedingt sofort noch recherchiert werden muss. 
So liegt dann doch meist etwas mehr Zeit zwischen zwei Posts als ich eigentlich geplant hatte...
Bei der Geschwindigkeit brauche ich vermutlich weitere 50 Jahre bis alle Glasnegative digitalisiert sind die im letzten Jahr den Weg zu mir gefunden haben :-)

Aber das ist eine andere Geschichte und für heute schließe ich erst einmal das Kapitel J. Meierhöfer und seine Reisen.

Die nächste Kiste mit Bildern steht schon zur Bearbeitung bereit und wenn ich mich recht erinnere hat der Großvater des Verkäufers, in München wohnend, über viele Jahre selber Glasnegative zusammengetragen. Wir werden sehen...
 

Viele Grüße einsweilen

Peter aka h3px

Sonntag, 27. Juli 2014

Schloss Linderhof spezial - 2014 vs. 1920/1930

In den letzten Kartons von Herrn Meierhöfer sind noch zwei Platten aufgetaucht, die im Park von Schloss Linderhof entstanden sind.
Letztes Jahr habe ich es noch nicht sofort erkannt (sechs-fotos-und-ein-brief-teil-2), aber zwischenzeitlich war ich dort und habe die Fotostandorte nach knapp 90 Jahren noch einmal besucht.

Zunächst der Blick vom Schloss Linderhof auf das Gartenparterre und die Anhöhe mit dem Venustempel wie man ihn um 1920-1930 hatte.

Blick vom Schloss Linderhof auf das Gartenparterre und die Anhöhe mit dem Venustempel 1920-1930

Und das gleiche Bild 2014.

Blick vom Schloss Linderhof auf das Gartenparterre und die Anhöhe mit dem Venustempel 2014

Diverse Details haben die Jahrzehnte weitestgehend unverändert überstanden. Andere -wie z.B. die Bäume im Treppenbereich der Anhöhe- haben die Zeit nicht überstanden.

Getreu dem Motto: "Wer findet den Fehler" hier noch das Suchbild im Bild :-)

Doppelbild - Blick vom Schloss Linderhof auf das Gartenparterre und die Anhöhe mit dem Venustempel 1920/1930 und 2014

Ich versuche dabei natürlich möglichst genau den Ort der Aufnahme zu treffen und habe dafür entsprechende Ausdrucke der Glasnegative in 9x13 cm dabei. (10x15 habe ich auch schon probiert, daber da sind die Arme schnell zu kurz :-)
Dabei führt kein Weg am Stativ vorbei. Was zusammen mit meiner kleinen Kompaktkamera wohl recht lustig aussieht.

Aber egal, hier das Schloss von der anderen Seite des "Pools" aus fotografiert.

Blick auf Schloss Linderhof von der Treppe hinauf zum Venustempel 1920-1930

Blick auf Schloss Linderhof von der Treppe hinauf zum Venustempel 2014

Auch hier gibt es neben einigen Veränderungen doch noch viele Übereinstimmungen.

Doppelbild - Blick auf Schloss Linderhof von der Treppe hinauf zum Venustempel 1920/1930 und 2014

Und Herr Meierhöfer war seinerzeit wohl recht früh dort, denn es sind doch ungewöhnlich wenig Touristen auf den Fotos zu sehen.

Vielleicht war aber auch erst ein paar Jahre später dort mehr los. Wer weiß...
Möglicherweise lag es auch einfach am schöneren Wetter.



Denn auf meinen Fotos sind, wie auf denen von Herrn Meierhöfer, keine Schatten zu sehen. Auf diesem hier oben schon.
 
Blick auf Schloss Linderhof von der Treppe hinauf zum Venustempel 2014
  
Doppelbild - Blick auf Schloss Linderhof von der Treppe hinauf zum Venustempel 1920/1930 und 2014

Der Springbrunnen Die Fontäne wird aktuell alle halbe Stunde angeschaltet...
Die Gelegenheit habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Wennschon dennschon :-)

Soviel zu meiner Form der modernen Schnitzeljagd ;-) und dem Park zu Schloss Linderhof.

Viele Grüße
Peter
 

Dienstag, 22. Juli 2014

Winterbegehung der Alpspitze um 1930 - J. Meierhöfer 09


Eine neue Runde Bilder aus der Sammlung J. Meierhöfer.
Die letzten 3 Päckchen Glasnegative enthielten noch einige Überraschungen.
Unter anderem sind Bilder einer Winterbesteigung der Alpspitze dabei. Hier ein altes und ein aktuelles Foto.

Alpspitze im Winter (Wettersteingebirge) um 1930

Alpspitze (Wetterstein).jpg
„Alpspitze (Wetterstein)“ von Günter Seggebäing - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA-2.0-de über Wikimedia Commons.

Schickes Stück Felsen, oder? :-)

Mit 2628 m nur knapp 300 Meter niedriger als die Zugspitze und im Gegensatz zu heute gab es seinerzeit keine Bahn bis hinauf zum Osterfelderkopf. Also musste man den ganzen Weg vom Tal aus selber laufen...

Alpspitze im Winter (Wettersteingebirge) um 1930


Alpspitze (Wettersteingebirge) um 1930 mit Bergsteigern

Die Fotos sind wohl vor 1946 entstanden, denn erst in diesem Jahr wurde das Gipfelkreuz aufgestellt. Und das ist auch auf dem Foto im Gegenlicht nicht zu erkennen.
Vor einem Jahr habe ich aus einer anderen Serie eines anderen Fotografen auch schon Bilder von der Alpspitze rausgesucht. Allerdings im Sommer. --> Garmisch-Partenkirchen 1937 - Teil 1

Und schon letztes Jahr hat mir die Panoramaerzeugungsseite von Dr. Ulrich Deuschle --> www.udeuschle.de/Panoramen.html bei der Bestimmung des Aufnahmepunkts geholfen.

Wobei die Suche nach dem genauen Ort an dem das folgende Bild entstand durchaus etwas komplizierter war. Den erste Hinweis habe ich erst nach einiger Sucherei im Netz gefunden. Und zwar hier im 360° Panoramafoto vom Gipfel der Alpspitze --> www.alpen-panoramen.de/...

Und hier ein etwas älter Ausschnitt aus dem Panorama.
 

Blick auf die Zugspitze von der Alpspitze im Winter (Wettersteingebirge) um 1930

Die Panoramaerzeugung war dann Feintuning und brachte die letzte Bestätigung:

Der Blick vom Gipfel der Alpspitze hinüber zur Zugspitze im Winter 193x.

Sicher eines der coolsten Fotos von J. Meierhöfer :-)

Die Überblendung der Bilder am warmen Laptop ist dagegen zwar ein Wunder moderner Technik, aber halt doch "nur" Technik. ;-)

 Alpenpanorama - Alpspitze ©2013 Ulrich DeuschleBlick auf die Zugspitze von der Alpspitze im Winter (Wettersteingebirge) um 1930


Die Tour hinauf auf die Alpspitze scheint sich heutzutage auch im Winter großer Beliebtheit zu erfreuen und gilt wohl zumindest als anspruchsvoll.
Hier ein paar Details dazu--> www.skiinfo.de/...


Vor 70 Jahren war die Tour vermutlich doch noch etwas schwieriger zu bewältigen und J. Meierhöfer scheint höchstpersönlich oben gewesen zu sein. Hut ab.

J. Meierhöfer um 1930 im Winterurlaub in Garmisch


Insgesamt scheint in seinem Winterurlaub(?) sowieso einiges los gewesen zu sein.
Ein Pferdeschlittenrennen (auf einem zugefrorenem See?) in der Zeit sicher auch ein Spektakel.