Montag, 23. Juli 2018

Von München über Urfeld am Walchensee nach Garmisch

Heute wieder Bilder von einem Satz gemischter Fotoplatten aus einem einzelnen Karton Agfa-Trockenplatten.


Ich versuche ja auch immer ein bisschen den Zeitrahmen der Bilder einzugrenzen. Die Kartons helfen dabei weiter, wenngleich man natürlich nie sicher sein kann, dass die enthaltenen Fotoplatten auch zur Verpackung gehören.
Diese roten Agfa-Kistchen finden sich im Netz mit unterschiedlichen Datierungen. Ich habe Angaben von ca. 1880 bis 1910 gefunden, wobei mir scheint, dass die Angaben oft eher geraten sind. 
Aber es gibt interessante Veränderungen im Laufe der Zeit. So findet sich auf diesem Karton Agfa in der Schreibweise "Agfa" mit Anführungszeichen. Alternative Schreibweisen ohne Anführungszeichen wie AGFA oder A.G.F.A., auch mit der Bezeichnung "Gelantine Trockenplatten" anstelle von Agfa-Trockenplatten lassen sich finden.
Im Vergleich zu anderen Um-Kartons in meiner Sammlung gehören diese Packungen damit eher zu den älteren.

Bei den Fotos helfen oft Dinge wie die Kleidung, Fahrzeuge oder Bauwerke bei einer zeitlichen Einordnung. So auch im aktuellen Fall.

Teil einer Brücke in winterlicher Landschaft - nach 1905

Auch wenn ich keine Idee habe was der Fotograf eigentlich aufnehmen wollte, so ist das Foto doch sehr wahrscheinlich nach 1905 entstanden :-)
Und noch zwei weitere Winterbilder, bei denen der Ort der Aufnahme vermutlich für immer ein Geheimnis bleiben wird.



Kinder sind, damals wie heute, gern fotografierte Motive. Und Katzen-Content geht sowieso immer.

Kleiner Junge - um 1910junges Mädchen mit Kuscheltier auf Stuhl - um 1910


junges Mädchen mit Kuscheltier im Garten - um 1910Katze am Milchschälchen - um 1910


In diesen Bildern findet sich aber auch kein Hinwies auf den Ort der Aufnahmen.

Anders hier...

 Detail - Der Wehrsteg in München zwischen Museums- und Praterinsel - um 1910

Man sieht den Wehrsteg in München, der die Museums- und die Praterinsel miteinander verbindet. Heute sieht es dort ein wenig anders aus, aber die Gebäude der Steinsdorfstrasse im Hintergrund lassen sich klar zuordnen. Und wenn ich das nächste Mal in der Ecke bin, dann muss ich schauen, ob sich dieses Foto vom selben Aufnahmeort aus schießen lässt, oder ob man ein paar Meter Richtung Maximiliansbrücke laufen muss.


Da die Figur in der Mitte  - eine Statue der Pallas Athene - erst 1906 enthüllt wurde, kann auch diese Foto nicht früher entstanden sein. Der Neubau der äußeren Maximiliansbrücke wird mit 1904/05 angegeben, passt also nicht ganz zur Brücke oben...

Weiter geht die (Zeit-)Reise isaraufwärts, bzw. ab Wolfratshausen loisachaufwärts.

Ich kann nicht sagen, ob dieses Bild tatsächlich im Tierpark Hellabrunn entstanden ist, aber wenn, dann wären wir schon mindestens im Jahr 1911, dem Jahr der Eröffnung des Tierparks.

Ein Bär im Zoo - Tierpark Hellabrunn(?) - um 1911

Auf an den Walchensee, nach Urfeld.

Urfeld Walchensee Hotel Fischer am See - Zeit unklar - um 1915

Gut, um das Hotel Fischer am See zu erkennen ist eine Detailaufnahme hilfreich.

Urfeld Walchensee Hotel Fischer am See - Zeit unklar - um 1915

Die Veranda auf dem Foto ist auf Postkarten aus der Zeit um 1915 zu erkennen, aber die genaue zeitliche Einordnung ist für mich anhand der alten Postkarten nicht möglich.

Am See entlang, auf nach Garmisch...


Am Wegesrand noch ein paar Garben Getreide.

Einige Getreidegarben - Getreideernte vor Einführung des Getreidemähers - um 1910-1920

Offensichtlich aus der Zeit vor der Einführung des Getreidemähers in der Gegend.

Weiter auf dem Weg nach Garmisch mit Blick auf Alpspitze und Zugspitze. 

Blick auf Alpspitze und Zugspitze - um 1910-1920

Und zu guter Letzt statten wir Richard Strauss einen Besuch ab, also ein bisschen :-)
Der bezog 1908 sein Haus in Garmisch, allerdings nicht in dieses hier, auch wenn heute dort das Richard-Strauss-Institut seine Heimat hat.

"Villa Christina" - Garmisch-Partenkirchen - um 1915

Die 1893 erbaute "Villa Christina" war zum Zeitpunkt der Aufnahme wohl noch im Besitz des Mannheimer Zigarrenfabrikant Ludwig Mayer-Doß (1847-1919), der diese offenbar dem Markt Partenkirchen hinterlies, so dass nach einer Nutzung als Kurhaus, am 8. September 1999 das RSI hier seine Pforten öffnete. Ein Teil der "Baulücken" ringsum sind heute sicher verschwunden :-)
Detail - "Villa Christina" - Garmisch-Partenkirchen - um 1915

Und hier endet die Reise für heute.
Was die Datierung angeht gibt es ein paar Anhaltspunkte die auf eine Zeit nach 1906 hinweisen. Ob um 1910 oder eher 1920 kann ich nicht einschätzen, aber vielleicht finden sich ja noch ein paar Hinweise.
In jedem Fall aber wieder ein paar Orte, denen ich mal einen Besuch abstatten muss.
Mal sehen wann es sich ergibt, denn vor einigen Monaten ist mir noch eine Glasplatte der Zugspitzbahn in die Hände gefallen, die werde ich die Tage mal digitalisieren und schauen, ob ich den Aufnahmeort in Garmisch auch finde...


Bis dahin allen eine gute Zeit und bis demnächs in diesem Kino.

Viele Grüße

Peter aka h3px

Montag, 18. Juni 2018

Kloster Schäftlarn, das Oktoberfest um 1910 und ein Portrait aus dem Jahr 1913

Nach den Franken sind heute die Oberbayern dran.
Eigentlich hatte ich ja Fotos aus dem Chiemgau erwartet, denn dort hatte ich die Fotoplatten seinerzeit auf einem Flohmarkt gekauft.
Ein einzelner Karton Hauff-Trockenplatten aus Feuerbach.


Karton für Hauff-Trockenplatten 9x12 cm - Nummer: 3005 - um 1900Rückseite Karton für Hauff-Trockenplatten 9x12 cm - Nummer: 3005 - um 1900

Der Recherche nach sollte er aus der Zeit um 1900 stammen. Die Laufnummer der Schachtel ist mit 3005 recht niedrig und vergleichbare Kartons sind um 1900 datiert. Zudem wird Adurol-Hauff in einem Artikel mit dem Titel: Ueber die Fortschritte auf dem Gebiete der Photographie und der photochemischen Reproduktionsverfahren in DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL aus dem Jahr 1900 erwähnt. >>Unter dem Namen„Adurol bringen die Chemische Fabrik auf Aktien vorm. Scheering in Berlin und die Firma J. Hauff in Feuerbach Monobrom- resp. Monochlorhydrochinon als neue Entwicklersubstanzen in den Handel.<<


Ein guter Zeitpunkt für die neuen Produkte ein wenige Werbung zu schalten.
Aber der Karton ist das eine, die Fotos können natürlich über die Jahre viele Male die Verpackung gewechselt haben.
Aber mindestens eines der Fotos stammt aus dem Jahr 1913. Eine Portraitaufnahme aus dem Atelier hützel münchen. Es wurde freundlicherweise bei der Entwicklung das Entstehungsjahr mit eingeprägt.


Am Klavier - Foto zweier Frauen - 1910-1930

Es finden sich allerdings nur zwei Einträge zu Photografen mit Namen Lützel in München. Aber irgendwie sieht doch so kein L aus, oder?
Wie auch immer, von den Damen gibt es noch weitere Aufnahmen, mal am Klavier, mal am Kaffeetisch.


Am Klavier - Foto zweier Frauen - 1910-1930


 Am Kaffeetisch - Foto zweier Frauen - 1910-1930

Gleiche Tischdecke neue "Gäste" :-) Leider etwas dunkel geworden.


Am Kaffeetisch 2 - Foto Mann/Frau - 1910-1930

Und ein Ausflug in die Umgebung.



Ausflug in die Umgebung - Familie auf der Bank im Wald - 1910-1930


Ausflug in die Umgebung  Mann/Frau - 1910-1930

Allerdings ergibt sich für mich aus den Bildern kein weiterer Hinweis auf den Entstehungsort der Fotos.

Die anderen Bilder im Karton geben da schon deutlichere Hinweise. Kommen wir also zu den Bildern die für den Titel des Posts verantwortlich sind.

Das Kloster Schäftlarn südlich von München und der Ort Schäftlarn selbst.



Kloster Schäftlarn - Abtei Schäftlarn - um 1910-1930


Der Ort Schäftlarn - um 1910-1930

Vielleicht auch ein Ausflug in die nähere Umgebung, wer weiß.
Aber erst auf den vergrößerten Ausschnitte kann man so halbwegs das Kloster erkennen...




 Detailaufnahme - Kloster Schäftlarn - Abtei Schäftlarn - um 1910-1930

Und dann erkennt man auch den Ort ein wenig besser.


Detailaufnahme - der Ort Schäftlarn - um 1910-1930

Da muss ich dann wohl auch demnächst mal hin und schauen wie Gegend und Kloster heute so aussehen.

Beim folgenden Ort haben die meisten wohl ein aktuelles Bild vor Augen :-) Wer wäre nicht selbst schon dort gewesen, oder hätte zumindest irgendwo Bilder vom "größten Volksfest der Welt" gesehen.

Das Oktoberfest in München, oder halt d’Wiesn. - Allerdings halt vor gut 100 Jahren.


historische Aufnahme vom Oktoberfest in München - um 1910

Bei ZVAB gibt es ein altes Foto, welches praktisch den gleichen Ausschnitt zeigt. Dieses ist mit 1910 datiert. Die Kirche St. Paul scheint schon fertig, demnach sollte es auf dem Foto nach 1905 sein, denn im Juni 1906 war die Kirche fertig. Nach 1913 sind dann einige Jahre ausgefallen und nach dem ersten Weltkrieg´war das Oktoberfest wohl auch nicht gleich wieder so groß wie um 1910.

In der Detailansicht sieht man dann zum einen das Löwenbräu-Zelt mit St. Paul links hinten, zum anderen den Schottenhamel mit den Zwillingstürmen der Frauenkirche im Hintergrund.


historische Aufnahme vom Oktoberfest in München - Löwenbräu-Zelt - um 1910


historische Aufnahme vom Oktoberfest in München - Schottenhammel - um 1910

Gut, das Löwen-Bräu-Zelt ist jetzt -für jemanden mit Basiswissen: "Münchner Bier"- recht einfach, aber es gibt sogar alte Lagepläne, die seinerzeit in den Festschriften abgedruckt wurden.
Aus denen läßt sich sich der Schottenhamel als zweites Zelt ablesen und dort ist z.B. auch die Streckenführung der Tram-Linie 14 -mit Wendeplatz- eingezeichnet. -> ...digitale-sammlungen.de...
Witzigerweise enthält diese über 100 Jahre alte Festschrift über 50% Anzeigenseiten. :-)

Und so verbargen sich auch in dieser einzelnen Kiste wieder einige Schätze aus lange vergangenen Zeiten...

Und damit allen eine gute Zeit und bis zum nächsten Post.

Viele Grüße

Peter aka h3px

Freitag, 29. Dezember 2017

Eine Familie aus Franken - die unbekannten Türme

Zwei Türme und eine Stadtansicht wollten sich ihr Geheimnis bisher einfach nicht entreißen lassen. Ein paar zusätzliche Stunden Recherche haben dann aber doch noch zu einigen interessanten Orten geführt.
Durch die bisherigen Bilder der Serie war das Suchgebiet ja mit (Mittel-)Franken in etwa vorgegeben. Das macht die Sache überschaubarer.

Leider enthält die Stadtansicht zwar einige markante Gebäude, aber insgesamt ist die Platte nicht im allerbesten Zustand und die etwas entfernteren Gebäude sind eher verschwommen und schwer zu erkennen.


Stadtansicht Ansbach, Mittelfranken - um 1930

Auch ist das Gebäude in der linken Bildhälfte leider nicht wie vemutet ein Schloß. Was die Suche deutlich vereinfacht hätte.



Und leider sind die Kirchen hier im Bild eher zu erahnen, weniger zu erkennen.


Daher hat die Suche nach der Stadt in Franken auch wirklich an meinen Nerven gezerrt. Denn auch wenn Google die Möglichkeit bietet hochgeladene Bilder mit anderen Bildern abzugleichen, die gelieferten Ergebnisse sind eher traurig. Und auch die mobile Bilderkennungs-Anwendung >> Google Goggles<< hat Ende 2017 noch ganz schön viel Luft nach oben. Für die kommenden Jahre sind hier sicher spannende Entwicklungen zu erwarten, aktuell hilft hier aber eher ein gutes Gefühl für die manuelle Suche und eine gute Portion Glück und Hartnäckigkeit :-)

So bin ich heute recht sicher, dass es sich bei der Stadtansicht um Ansbach in Mittelfranken handelt.
Die Pfarrkirche St. Johannis ist dank der beiden unterschiedlichen Türme mit viel gutem Willen erkennbar. 



Von Michael Sander - Eigenes Werk (selbst fotografiert), CC BY-SA 3.0, Link

Die Kirche rechts davon sollte entsprechend St. Gumbertus sein.


Von AlexanderRahm - Eigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Gut, auch hier muss man ein wenig an die Ähnlichkeit glauben, aber die Lage in der Stadt ist hier wichtiger. Denn zusammen mit der Luitpoldschule Ansbach ergibt sich ein Bildder gesuchten Stadt, denn das Logo der Schule entspricht unverkennbar dem Gebäude auf der linken Bildseite. Und anhand dieser Punkte lassen sich auch noch ander Punkte im Bild identifizieren. So verfügt das Gymnasium Carolinum Illustre über einen weiteren Turm, der sich zwischen St. Johannis und der Bildmitte finden lässt. Und wenn man dann genauer schaut und weiß wonach man sucht, dann kann man auch den Ansbacher Bismarkturm auf der Kaiserhöhe erkennen.

Stadtansicht Ansbach, Mittelfranken - um 1930 - einige Sehenswürdigkeiten sind markiert

Ähnlich sperrig war die Geschichte mit dem "Wasserschloss".

Nachtaufnahme vom Dinkelsbühler Faulturm mit dem Parkwächterhäuschen - um 1930

Ich habe die Auflösung erst gefunden, nachdem ich die Feierlichkeiten dem Ort Dinkelsbühl zuordnen konnte. Auf der Seite des Touristik Service Dinkelsbühl fand ich dann auch die Aufnahmen vom Faulturm zu Dinkelsbühl :-) Teil einer heute noch teilweise vorhandenen, durchaus beeindruckenden Stadtbefestigung aus der Zeit nach 1372!

Auch die Anlage, zu der der Turm mit den umlaufenden Steinvorsprüngen gehört, ist schon ein wenig älter. 

Schloss Langenburg - Innenhof mit Turm - um 1930

Schloss Langenburg liegt ca. 60 Kilometer westlich von Ansbach in Baden-Württemberg im Kreis Schwäbisch Hall. 
Laut Wikipedia wurde Schloss Langenburg um 1226 als Langenberg - castrum et oppidum (das Schloss und die Stadt) erstmals genannt. Einen schönen Abriss der Historie bietet auch die Homepage von Schloss Langenburg. -> www.schloss-langenburg.de. Und neben einem Schlossmuseum läßt sich auch noch das "Deutsche Automuseum Schloss Langenburg" besichtigen. Ende März 2018 haben beide Museen wieder geöffnet.

Verrückt, ich werde Monate oder Jahre brauchen um die ganzen Orte zu besuchen. :-)
Aber zumindest sind die Orte dieser Serie jetzt soweit bekannt und ich kann die Geschichte hier zunächst für mich abschließen.

Von daher allen eine gute Zeit und bis die Tage...

Peter aka h3px