Bisher fanden sich auf diesem Blog nur Schwarz-Weiß-Bilder. Hier nun die ersten beiden "Abzüge" von zwei farbigen Glasplatten.
Ich kannte große Foto-Glasplatten-Negative bisher nur mit Schwarz-Weiß-Negativen.
Entsprechend überrascht war ich, also ich die zwei "farbrichtigen" Glasplatten zwischen den anderen Aufnahmen fand.
In meiner Welt waren Farbfilme irgendwann in den 50ern entwickelt worden und Fotos vor dem zweiten Weltkrieg grundsätzlich nicht farbig. :-)
Von daher war mein erster Gedanke, ob man wohl in den 1950/60ern Farbfotos/-dias auf Glasplatten entwickelt hat? Oder anderes gefragt, "Von wann sind die Bilder denn überhaupt?" 1950/1960? Noch später?
Entsprechend überrascht war ich als ich las, dass erste Farbfoto entstand 1861! -> ...Farbfotografie...
Und ab 1907 wurden die ersten Autochromplatten verkauft. Glasplatten, die mit eingefärbte Kartoffelstärkekörnchen beschichtet wurden, die wiederum wie ein Farbfilter vor der Silberbromid-Gelatine-Emulsion wirken. Nach der Aufnahme wurde das Negativ entwickelt und nochmal umkopiert. Anschließend hatte man ein Farbdia mit "richtiger" Farbwirkung.
Und wenn man es genau nimmt nutzen die meisten moderne Kamera- oder Handy-Bildsensoren (Bayer-Sensor) die gleiche Idee um Farbinformationen in einen Bildpunkt zu bekommen.
Wenn man die Bilder ausreichend vergrößert, dann sieht man auch die Farbkörner auf der Platte.
Im ersten Schritt erinnert das Bild noch an einen alten Röhrenfernseher, an denn man zu nah hingeht...
Dann wird es immer bunter...
... und dann kann man auch die einzelnen Farbpunkte genau erkennnen.
Der Defefinition nach sollten beim Autochromverfahren mit Kartoffelstärke schwarze/weiße Punkte von der Holzkohle zu sehen sein, die zum "Abdichten" der Stärkeschicht verwendet wurde.
Hier auf den Fotos liegen die Farbpunkte aber ohne Abstand direkt aneinander. Was darauf schließen lässt, dass die Platte eher eine Platte nach Art der Agfacolor-Platte ist, bei der die Filterschicht aus eingefärbten Lackpartikeln bestand und somit keine Holzkohle zum Auffüllen der Zwischenräume mehr benötigte.
Da diese Platten schon 1927 um die 10.000 Farbpartikel pro Quadratmillimeter aufwiesen und die vorliegenden Platten eher grob gerastert sind, würde ich die Platten auf die frühen 1920er datieren.
Allerdings habe ich keine Informationen, bis wann ungefähr Farb-Platten mit eher groben Raster verwendet wurden, oder ob es Anbieter mit "schlechteren" Verfahren für den Privatanwender gab.
Jenseits der technischen Details wäre es natürlich noch spannend zu wissen wo die Bilder entstanden sind.
Bisher habe ich allerdings noch keine Idee, wo die Bilder entstanden sein könnten...
(Falls
jemand eine Idee hat, ich freue mich über einen Kommentar :-)
Alle Bilder aus den letzen drei Artikeln fanden sich in diesem Karton.
Auch hier ist die Aufmachung noch recht aufwendig, wenn auch die Nummer 7588 nicht für mehr eine Einzelanfertigung, sondern -trotz echtem Siegel- klar für "Massenproduktion" spricht.
Einstweilen viele Grüße
Peter
Sonntag, 6. November 2016
Dienstag, 25. Oktober 2016
Ein Eumig 530GW und der Bogenberg in Niederbayern
Verrückt was eine Handvoll Glasplatten für einen Rechercheaufwand nach sich ziehen kann.
Und so werden aus sieben Platten dann doch wieder drei Posts...
Beginnen wir mit einer Famile am Tisch in der Wohnstube.
In Hintergrund der Herrgottswinkel mit jeder Menge Heiligenbildern. Diese Winkel kenne ich vorwiegend aus bayerischen Wohnstuben. Dazu passt auch ein Glas Helles im Halbliterglas.
Irgendwann fiel mir das Radio im Hintergrund auf.
Und wie schon so oft erlebt, es gibt für fast alles im Netz eine Community oder eine Website. Natürlich auch für alte Radios. Und so findet sich auf radiomuseum.org auch ein Foto von einem Eumig 530GW.
Und da dieses Modell erst ab 1939 gebaut wurde, wird dieses Foto auch irgendwann aus dieser Zeit stammen.
Und der junge Mann vor dem Radio ist auch auf einer weiteren Aufnahme zu sehen. Sieht ein wenig nach Bewerbungsfoto aus :-)
Die beiden folgenden Fotos lagen als Papierabzug im Karton. Die Qualität ist sehr schlecht, daher kann man nur wenig Details erkennen. Aber mit den Skiern würde heute wohl kaum noch jemand auf die Piste gehen.
Mehr Erfolg hatte ich bei der Suche nach dem Aufnahmeort der linken Aufnahme.
Auch wenn die Kirche auf dem Berg im Hintergund klein und unscharf erscheint. Zusammen mit dem Fluss im Vordergrund lässt sich der Ort der Aufnahme an die Donau, genauer nach Hermansdorf, zurückverfolgen.
Hier eine Aufnahme die in der Nähe enstanden sein dürfte und die ebenfalls den Bogenberg und die darauf stehende Wallfahrtskirche "Mariä Himmelfahrt" zeigt.
Ob die Bildergruppen in irgendeinem weitern Zusammenhang stehen ist mir unklar, denn es handelt sich offenbar jeweils um unterschiedliche Personen auf den Bildern. Und auch die Frauenkirche aus dem letzten Post scheint nicht so recht zu den anderen Bildern zu passen.
Ebensowenig wie die beiden farbigen Glasplatten um die es beim nächsten Mal gehen wird...
Aber dazu ein andermal mehr.
Einstweilen viele Grüße
Peter
Und so werden aus sieben Platten dann doch wieder drei Posts...
Beginnen wir mit einer Famile am Tisch in der Wohnstube.
In Hintergrund der Herrgottswinkel mit jeder Menge Heiligenbildern. Diese Winkel kenne ich vorwiegend aus bayerischen Wohnstuben. Dazu passt auch ein Glas Helles im Halbliterglas.
Irgendwann fiel mir das Radio im Hintergrund auf.
Und wie schon so oft erlebt, es gibt für fast alles im Netz eine Community oder eine Website. Natürlich auch für alte Radios. Und so findet sich auf radiomuseum.org auch ein Foto von einem Eumig 530GW.
Und da dieses Modell erst ab 1939 gebaut wurde, wird dieses Foto auch irgendwann aus dieser Zeit stammen.
Und der junge Mann vor dem Radio ist auch auf einer weiteren Aufnahme zu sehen. Sieht ein wenig nach Bewerbungsfoto aus :-)
Die beiden folgenden Fotos lagen als Papierabzug im Karton. Die Qualität ist sehr schlecht, daher kann man nur wenig Details erkennen. Aber mit den Skiern würde heute wohl kaum noch jemand auf die Piste gehen.
Mehr Erfolg hatte ich bei der Suche nach dem Aufnahmeort der linken Aufnahme.
Auch wenn die Kirche auf dem Berg im Hintergund klein und unscharf erscheint. Zusammen mit dem Fluss im Vordergrund lässt sich der Ort der Aufnahme an die Donau, genauer nach Hermansdorf, zurückverfolgen.
Hier eine Aufnahme die in der Nähe enstanden sein dürfte und die ebenfalls den Bogenberg und die darauf stehende Wallfahrtskirche "Mariä Himmelfahrt" zeigt.
Ob die Bildergruppen in irgendeinem weitern Zusammenhang stehen ist mir unklar, denn es handelt sich offenbar jeweils um unterschiedliche Personen auf den Bildern. Und auch die Frauenkirche aus dem letzten Post scheint nicht so recht zu den anderen Bildern zu passen.
Ebensowenig wie die beiden farbigen Glasplatten um die es beim nächsten Mal gehen wird...
Aber dazu ein andermal mehr.
Einstweilen viele Grüße
Peter
Montag, 19. September 2016
Die Frauenkirche zu München - Version 2 - Die Recherche
Es gibt ja durchaus einiges was sich auf Flohmärkten finden lässt. Und irgendwie scheint ja auch immer für jeden etwas dabei zu sein. Zumindest scheint mir das immer so, wenn ich sehe was die Leute so alles abschleppen :-)
Ich freue mich immer, wenn ich irgendwo ein paar Glasplatten entdecke.
So wie diese hier, die vor ein paar Wochen in ihrem Kistchen auf einem Flohmarkttisch lagen und unbedingt mit mussten...
Farbempfindliche Moment-Platte. Soso...
Mitgenommen habe ich die Platten dann wegen der Kirchtürme auf einer der Platten. Irgendwie kamen sie mir bekannt vor.
Da Glasplatten-Negative über einen recht langen Zeitraum verwendet wurden - je nach Quelle werden die Jahre ab ca. 1880 bis in die 1960er hinein genannt - ist es nicht immer ganz einfach die Entstehung eines Fotos zu datieren.
Bei dem Foto der Münchener Frauenkirche sieht man im Vordergrund eine Baulücke und "Aufräumarbeiten".
Entsprechend war mein erster Gedanke; wird in der Nachkriegszeit gewesen sein. Da der alte Peter im Hintergund schon wieder steht, nach 1954. -> ...wikipedia.org/.../St._Peter_...
Andererseits wirkt das Foto eher wie 1920, nicht wie Mitte der 1950er.
Jetzt verändern sich Bauwerke wie die Frauenkirche über die Zeit und aktuell ist sie ja auch wieder eingerüstet. Also habe ich alte Bilder und Postkarten im Netz gesucht. Und irgendwann fiel mir auf, am linken Turm sieht man über der "Revisionstüre" den Schatten eines Balken. Dieser Schatten fehlt am rechten Turm.
Auf dieser Postkarte aus 1955 sieht man deutlich, beim Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg wurd offenbar auch am rechten Turm der entsprechende Balken. Ebenso auf einer Karte aus 1969/1970.
>Auf Bildern um 1920 fehlt hingegen der Balken am rechten Turm. Ich habe mir daher für den Blog eine alte Karte besorgt und siehe da, passt.
Auch hier ist links der Schatten des Balken zu sehen, rechts fehlt er.
Ich gehe also davon aus, dass der Balken am rechten Turm erst nach 1948, im Zuge des Wiederaufbaus, eingebaut wurde.
Die Baulücke ist demnach wohl nicht im Krieg entstanden sondern früher. Also weiter im Text...
Sie befindet sich dort, wo heute das Polizeipräsidium München steht. Und damit im Bereich des Augustinerklosters, bzw. Areal des Augustinerstocks.
Und zu diesen Informationen gibt es dann auch wieder weitere Verweise und Schriften.
z.B. auf der Seite -> ...Haus der Bayerischen Geschichte...
>>Auf dem Areal des Augustinerstocks entstand 1912 das Münchner Polizeipräsidium.<<
Und in einer Magisterarbeit von Uli Walter: ... Walter, Uli (2013): Der Umbau der Münchener Altstadt (1871–1914)...
>>Im Oktober 1910 erhielt er den Auftrag zur Bauführung; im Herbst
1913 war der Bau abgeschlossen.
Also war die Baulücke spätestens im Herbst 1913 nicht mehr vorhanden, und vor 1910 standen dort die alten Gebäude des Augustinerklosters.
Google-Books enthält ein Buch: Architektur in München seit 1900: Ein Wegweiser von Gerd Fischer
Dort sieht man, dass die Sichtachse Richtung alter Peter an der Frauenkirche vorbei, nach dem Neubau nicht mehr existiert. (Der fette schwarze Block links neben der Kirche.)
Tja, und soetwas passiert, wenn man mal schnell schauen will, von wann ein Bild von der Frauenkirche sein könnte. :-) Eigentlich eine Geschichte die in ein paar Minuten recherchiert ist. Und dann kommt man vom Hundersten zum Tausendsten und liest Berichte über die Baugeschichte in München oder über die Rettung der Augustinerkirche...
Aber so wurde auch diesem Foto eine Geschichte entlockt, die man auf den ersten Blick kaum erwarten würde...
Und in diesem Sinne eine schöne Zeit
Peter
Ich freue mich immer, wenn ich irgendwo ein paar Glasplatten entdecke.
So wie diese hier, die vor ein paar Wochen in ihrem Kistchen auf einem Flohmarkttisch lagen und unbedingt mit mussten...
Farbempfindliche Moment-Platte. Soso...
Mitgenommen habe ich die Platten dann wegen der Kirchtürme auf einer der Platten. Irgendwie kamen sie mir bekannt vor.
Neben der Münchener Frauenkirche erkennt man neben einer Baulücke im Hintergund den "Alten Peter", den Turm der Pfarrkirche Sankt Peter, den wohl jeder Münchner kennt.
Da Glasplatten-Negative über einen recht langen Zeitraum verwendet wurden - je nach Quelle werden die Jahre ab ca. 1880 bis in die 1960er hinein genannt - ist es nicht immer ganz einfach die Entstehung eines Fotos zu datieren.
Bei dem Foto der Münchener Frauenkirche sieht man im Vordergrund eine Baulücke und "Aufräumarbeiten".
Entsprechend war mein erster Gedanke; wird in der Nachkriegszeit gewesen sein. Da der alte Peter im Hintergund schon wieder steht, nach 1954. -> ...wikipedia.org/.../St._Peter_...
Andererseits wirkt das Foto eher wie 1920, nicht wie Mitte der 1950er.
Jetzt verändern sich Bauwerke wie die Frauenkirche über die Zeit und aktuell ist sie ja auch wieder eingerüstet. Also habe ich alte Bilder und Postkarten im Netz gesucht. Und irgendwann fiel mir auf, am linken Turm sieht man über der "Revisionstüre" den Schatten eines Balken. Dieser Schatten fehlt am rechten Turm.
Auf dieser Postkarte aus 1955 sieht man deutlich, beim Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg wurd offenbar auch am rechten Turm der entsprechende Balken. Ebenso auf einer Karte aus 1969/1970.
>Auf Bildern um 1920 fehlt hingegen der Balken am rechten Turm. Ich habe mir daher für den Blog eine alte Karte besorgt und siehe da, passt.
Auch hier ist links der Schatten des Balken zu sehen, rechts fehlt er.
Ich gehe also davon aus, dass der Balken am rechten Turm erst nach 1948, im Zuge des Wiederaufbaus, eingebaut wurde.
Die Baulücke ist demnach wohl nicht im Krieg entstanden sondern früher. Also weiter im Text...
Sie befindet sich dort, wo heute das Polizeipräsidium München steht. Und damit im Bereich des Augustinerklosters, bzw. Areal des Augustinerstocks.
Und zu diesen Informationen gibt es dann auch wieder weitere Verweise und Schriften.
z.B. auf der Seite -> ...Haus der Bayerischen Geschichte...
>>Auf dem Areal des Augustinerstocks entstand 1912 das Münchner Polizeipräsidium.<<
Und in einer Magisterarbeit von Uli Walter: ... Walter, Uli (2013): Der Umbau der Münchener Altstadt (1871–1914)...
>>Im Oktober 1910 erhielt er den Auftrag zur Bauführung; im Herbst
1913 war der Bau abgeschlossen.
Also war die Baulücke spätestens im Herbst 1913 nicht mehr vorhanden, und vor 1910 standen dort die alten Gebäude des Augustinerklosters.
Google-Books enthält ein Buch: Architektur in München seit 1900: Ein Wegweiser von Gerd Fischer
Tja, und soetwas passiert, wenn man mal schnell schauen will, von wann ein Bild von der Frauenkirche sein könnte. :-) Eigentlich eine Geschichte die in ein paar Minuten recherchiert ist. Und dann kommt man vom Hundersten zum Tausendsten und liest Berichte über die Baugeschichte in München oder über die Rettung der Augustinerkirche...
Aber so wurde auch diesem Foto eine Geschichte entlockt, die man auf den ersten Blick kaum erwarten würde...
Und in diesem Sinne eine schöne Zeit
Peter
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